Das Lichtzelt
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Das Lichtzelt

LichtzeltDas Lichtzelt oder auch der Light-Cube zählen im Grunde genommen gar nicht zu den Lampen. Ich nehme es aber mal hier mit auf, weil viele der Meinung zu sein scheinen, dass das Lichtzelt die ultimative Beleuchtungsmethode ist. Ich bitte diesen Artikel mit Vorsicht zu genießen, da ich bekennender Lichtzelt-Feind bin.

 

Was macht so ein Lichtzelt genau? Leuchten tut es nicht! Im Grunde bildet es also nur einen lichtdurchlässigen Aufnahmeraum, der nun von aussen beleuchtet wird und dafür sorgt, dass im inneren ein weitestgehend gleichmäßig verteilte, sehr weiches Licht entsteht. Es wird also hell. Von daher sollte es eher Hellzelt statt Lichtzelt heißen, denn Licht ist, zumindest für den Fotografen, immer mit einer gewissen Karakteristik versehen. Weich, hart, gerichtet, diffus, flach, steil. Und genau diese Karakteristik macht sich der Fotograf zunutze.

 

 

 

Im Lichtzelt bleiben von den vielen Lichtattributen maximal drei übrig: Weich, diffus und flach. Was nichts anderes heißt, als dass der Fotograf, also der, der mit Licht zeichnet, seine ganzen feinen Pinsel aus der Hand legt und nur noch mit dem großen Quast arbeitet. Dieses großflächige und grobe arbeiten geht natürlich auch schneller, als Details mit kleinen Pinseln raus zu kitzeln.

 

Nehmen wir mal ein profanes Beispiel, ein Stück Seife. Spätestens wenn es gilt mehr als eines davon fotografieren zu wollen, wird überlegt, wie man sich die Arbeit in der Serie vereinfachen kann. Oftmals ertönt spätestens jetzt der Ruf nach dem Lichtzelt.

Hält man die Seife in der Hand und dreht es ein wenig im Licht, so fällt einem sicher folgendes auf: Sie hat eine etwas ölig glänzende Oberfläche, sie ist in Teilen transparent, die Oberfläche ist strukturiert und mit einer Prägung versehen.

Lady Flower 2Im Lichtzelt passiert nun Grausames. Selbst bei gerichteter Beleuchtung legt sich das Lichtzelt wie ein Schleier auf alle Oberflächen. Die Beleuchtung ist so diffus, dass Struktur und Prägung kaum erkennbar sind. Selbst das Durchlicht, für das ich extra einen Stufenlinser von hinten auf´s Lichtzelt abgefeuert habe um die Transparenz herauszuarbeiten, wird so aufgematscht, dass es kaum noch den gewünschten Effekt hat. Im Gegenteil, es trägt nach dazu bei, dass der Schleier über allem noch dichter wird.

Nun kann man sicher anfangen Löcher ins Zelt zu schneiden, um mit gerichteterem Licht arbeiten zu können. Man kann auch im Zelt gezielt mit schwarzen Pappen Licht abhalten, um z.B. das „Verspiegeln“ zu mindern. Man kann so ein Lichtzelt aber auch ganz klein zusammenfalten, um es irgendwo verstecken zu können, wo es hoffentlich so schnell keiner mehr findet und einen ganz anderen Ansatz zu wählen.

Lady Flower 3Es wissen zumindest die, die bereits den Workshop-Licht gelesen haben, dass dieser Fotograf hier gern mit Hauptlicht, Aufhelllicht und Effektlicht arbeitet. So auch in diesem Fall. Als Hauptlicht dient ein Blitzkopf mit einem so genannten Parabolreflektor. Also hartes gerichtetes Licht, das relativ streifig von rechts oben das Objekt beleuchtet. Dadurch bilden sich ein paar Spitzlichter, die vermitteln, dass diese Seife glänzt ohne sie zu "verspiegeln". Struktur und Prägung treten deutlich hervor. Um die „Tiefe“ von Struktur und Prägung steuern zu können, hell von links eine Softbox auf.

Das ganze steht, wie auch schon im Lichtzelt, auf einer Glasplatte. In diesem Fall wird sie von hinten mit einer Flächenlampe durchleuchtet. Als Effektlicht kommt auch hier wieder der Stufenlinser von hinten und bringt das „Glühen“ in die Seife.


Sowohl am Lichtzelt als auch im klassischen Aufbau kamen die gleichen Lampen zum Einsatz. Parabollampe, Softbox und Leuchttisch bilden dabei das Grundlicht. In Nuancen variiert und durch gezieltes hoch- und runter regeln des Effektlichts war es nur im klassischen Aufbau möglich, eine große Serie transparenter, teiltransparenter und nichttransparenter Seifen zügig und dennoch individuell durchzuschießen.

 


 

Ein weiterer Grund zum Lichtzelt zu greifen, sind eben die sich automatisch ergebenden Einspiegelungen. In z.B. metallische Flächen, hochglanz lackierte Produkte oder Produktteile. Aber auch hier, je nach Form des spiegelnden Objektes ist es oft besser, gezielt einzuspiegeln bzw. Einspiegelungen auch mal abreißen zu lassen, um so zu zeigen, dass die Dinge nicht einfach nur weiß sind. Ein Abriss in einer solchen Spiegelung zeigt z.B. auch ob es sich um ein mattglänzendes oder hochglänzendes Material handelt.

 

 

Okay, solche Abrisse lassen sich auch erzeugen, indem man innerhalb des Lichtzelts gezielt "Neger" aufstellt. Wer aber anfängt, mit solchen Tricks Feinheiten arbeiten zu arbeiten, der wird sein Hellzelt dann auch bald ausrangieren und es frühesten dann wieder hervorholen, wenn es auf Weihnachten zugeht und wieder mal Christbaumkugeln fotografiert werden müssen.

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