Die Verschlusszeit
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Die Zeit

Neben dem Blendenstellring gab es an mittlerweile schon fast historisch anmutenden Kameras ein Rädchen, mit dem man die Belichtungszeit einstellen konnte.

 

Wer nun aber glaubt, dass damit dem Fotografen alle Freiheiten gegeben waren, sowohl die Blende als auch die Verschlusszeit frei zu wählen der irrt. Denn beide, Blende und Verschlusszeit, sind unmittelbar abhängig voneinander.

 

Was heißt das jetzt für uns in der Praxis? In der Regel steuert die Kameraautomatik diese Abhängigkeit. Dazu gibt es verschiedene Programme, die nichts anderes tun, als für bestimmte Aufnahmesituationen die beste Zeit-/Blendenkombination einzustellen und das auch noch unter Berücksichtigung der verwendeten Brennweite, um ein Verwackeln zu verhindern oder eine möglichst große Tiefenschärfe zu erzielen. Dazu bedient sie sich unterschiedlichster Belichtungsmessmethoden: Integral-, Mehrzonen-, Spotmessung und was es da nicht alles gibt.

 

Für uns alles uninteressant, da wir unsere Kamera im M-Modus vom Stativ aus betreiben. Und damit haben wir unsere High-Tech-Kamera zurückgesetzt auf die Fähigkeiten, die damals schon meine Canon FTb hatte, nämlich eine von Hand einzustellende Blende und eine von Hand zu wählende Verschlusszeit. Einzige Hilfsmittel bei dieser Kamera war ein eingebauter Belichtungsmesser, der anzeigt, welche Verschlusszeit zu welcher Blende passt. Mit dieser Technik war es damals dem Fotografen und seiner Erfahrung überlassen, ob er sich auf die Anzeige des Belichtungsmessers verlässt oder ob er den Kontrastumfang seines Motivs anderes beurteilt und lieber etwas unter- oder überbelichtet, um mehr Zeichnung in den Lichter oder eben in den Schatten zu bekommen. Nichts anderes erreicht man heute zwar etwas bequemer mit den vielen unterschiedlichen Messmethoden moderner Kameras. Unterm Strich bleibt aber: Es gibt damals wie heute nur eine optimale Zeit-/Blendenkombination. Und daran kann auch die ausgefeilteste Technik nicht ändern.

 

Um nun die genaue Abhängigkeit von Zeit und Blende zu verstehen erinnern wir uns an den Faktor Wurzel aus 2 in der Blendenreihe. Wird also die um den Wert von Wurzel 2, also eine Blendenstufe geschlossen, verringert sich die Lichtmenge, die auf unseren Film/Sensor fällt, um genau die Hälfte. Vernünftige Gegenmaßnahme, um nun kein unterbelichtetes Bild zu bekommen: Ich brauche doppelt so viel Licht oder ich muss das Licht, das mir zur Verfügung steht, doppelt so lang auf meinen Film/Sensor einwirken lassen. Um das an einem Beispiel zu zeigen: Mein Belichtungsmesser zeigt mir an, daß ich bei Blende 8 1/60s lang belichten muss, um ein korrektes Bild zu erhalten. Will ich nun aber mehr Tiefenschärfe, indem ich die Blende um einen Wert auf Blende 11 schließe, muss ich die Zeit auf 1/30s Verdoppeln. Das Ergebnis ist, abgesehen von der besseren Tiefenschärfe, das gleiche!

 

Das mit der Verdoppelung der Belichtungszeit bei zunehmend geschlossener Blende hilft allerdings all denen unter uns nicht viel, die eine Blitzanlage ihr Eigen nennen. Die brennt in der Regel mit einer viel kürzeren Zeit ab, als wir es als Belichtungszeit an unseren Kameras einstellen können. Aufgrund der Verschlusskonstruktion wird aber jeder Kamera eine sogenannte Blitzsynchronisationszeit mitgegeben. Das ist die Zeit, in der sich der Verschluss soweit geöffnet hat, dass die komplette Film-/Sensorebene von Blitz getroffen wird. Kürzer als diese Zeit kann also bei Blitzaufnahmen nicht belichtet werden, länger jedoch allemal. Was dann aber keinen Einfluss mehr auf die Belichtung hat, da der Blitz schon lang wieder aus ist. Zu lange Belichtungszeiten bei Blitzaufnahmen können jedoch dazu führen, dass das Einstelllicht mit auf den Film/Sensor einwirkt, was wiederum auch nicht gewollt ist.

 

Dem "Blitzer" bleibt somit nichts anderes übrig, als die Lichtmenge dem Blendenwert nachzuführen. Aber dazu sind Studioblitzanlagen auch über mehrere Blendenwerte meist stufenlos regelbar und in der Regel mit einem proportionalen Einstelllicht versehen.

 

Wenn wir nun aber ums Verplatzen zu wenig Licht haben, um auf eine kleine Blendenöffnung und viel Tiefenschärfe zu kommen, bleibt uns nur noch eine Chance: Wir drehen am Rad!

 

Und zwar am ISO-Rad. Denn das ist der Dritte im Bunde, wenn es um die korrekte Belichtung unseres Films/Sensors geht...

 

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