Das Blue Screen Verfahren
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Das Blue Screen Verfahren

Bekannt aus Film, Funk und Fernsehen, naja Funk eher weniger, wissen wir, dass man auf diese Weise Schauspieler, die noch nicht mal einen Führerschein haben, halsbrecherische Verfolgungsjagden fahren lassen kann, indem man sie freigestellt vor einem anderen Hintergrund agieren lässt. Bluescreen deshalb, da eine gesunde Gesichtsfarbe wenig Blauanteile enthält und sich die Schauspieler so technisch gut vom Hintergrund lösen lassen. Warum soll so was dann nicht auch in der Fotografie Anwendung finden? Zumal es bei uns Produktfotografen wegen der fehlenden Gesichter nicht unbedingt Blue-, sondern auch Green-, Red oder Pink-Screen Verfahren sein kann. Je nachdem, was wir davor abbilden wollen.

 

Ball_1 Für den Ping Pong Ball lassen wir es mal bei blau, weil ich sonst auch den Menüpunkt umbenennen müsste. Also bauen wir uns wieder unsere Hohlkehle, diesmal ganz in blau, sichern darauf unseren Ball vorm Wegrollen und stellen unsere bewährte Schreibtischlampe und Klemmspot auf. Fertig ausgeleuchtet haben wir so eine schöne Abbildung von unserem Ball, die es jetzt nur noch freizustellen gilt. Also laden wir unsere Pipette mit der Hintergrundfarbe (andere machen es mit dem Zauberstab, ganz Versierte arbeiten mit den Alphakanälen), spielen ein bisschen mit der Toleranz und siehe da:

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ball_1_1

Unsere Auswahl läuft uns entweder in den Ball oder nimmt den Liegeschatten mit auf.

 

Mist! Das mit dem Blau hat ja schon mal nicht schlecht geklappt. Jetzt müssen wir nur noch den verdammten Liegeschatten weg bekommen.

Also wieder ab ins Studio und zugesehen, wie wir den Ball etwas vom Hintergrund trennen können. Dazu bieten sich mehrere Möglichkeiten an. Zum einen mal der Siemens-Lufthaken. Wer den nicht hat versucht es vielleicht mit einem Stab, auf den man den Ball klebt und den man dann dahinter versteckt. Ist mir alles zu mühsam, ich leg die Pille einfach auf eine Glasscheibe, schiebe mein Blau darunter und pole eventuelle Spiegelungen weg.

 

 

 

 

 

 

Ball_2

Na wer sagt es denn! Schon deutlich besser. Der Liegeschatten ist weg und der Hintergrund hat nun ein nahezu durchgängig gleiches Blau. Also noch mal den Zauberstab gezückt, die Hintergrundfarbe angeklickt und damit alles, was jetzt noch in dem Motiv blau ist ausgewählt.

Wirklich alles? Denn wenn wir jetzt den Hintergrund weglöschen, dann müssen wir leider feststellen, dass der Ball unten und in den dunkleren Bereichen ziemlich blau ist. Kein Wunder, denn auch nachdem wir Objekt und Hintergrund getrennt haben, strahlt der Fond immer noch blau zurück und das auch auf den Ball. Und zumindest ich habe noch Glück, denn mein Ball ist relativ matt.

 

 

 

 

 

 

Ball_2_frei Ball_2_frei_sw

Okay, macht ja nix. Wir sind ja eh gerade in unserer Bildbearbeitung. Farbe brauchen wir bei diesem Motiv jetzt sowieso keine mehr und das Blau kriegen wir am besten weg, wenn wir die Farbsättigung verringern. Gesagt getan, und schon haben wir einen wunderbar weißen Ball, der sich mit den grauen Lichtverläufen gut modelliert und auch prima auf Weiß steht.

 

Da plötzlich, es ist 4.00 Uhr in der Nacht, das Telefon klingelt. Unser chinesischer Kunde sitzt bereits beim 2. Frühstück, will es sich aber nicht nehmen lassen uns mitzuteilen, dass dieser revolutionär neue Ping Pong Ball demnächst auch in Neongelb angeboten werden soll. Tja, das mit den Entfärben können wir uns dann wohl von der Backe putzen!!!

 

 

Unterdessen wird der Container mit unserem Prototypen im Hamburg Hafen gelöscht, die Zeit für neue Experimente wird knapp. Wie wäre es denn, wenn wir erst gar keinen Hintergrund hätten und damit auch nicht freistellen müssen?

Einen Versuch wäre es sicher wert...

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