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Der kleine Unterschied

An anderer Stelle steht schon geschrieben, dass man sich für eine Produktaufnahme 7 Minuten Zeit nehmen soll. So eine Zeitangabe kann man vielleicht fürs Eierkochen machen, nicht aber in der Studiofotografie. Aber irgend eine Bemessungsgrundlage muss es schließlich geben, nach der der Wert bzw. Preis von Produktaufnahmen bemessen wird.

 

Irgendwann ist mir auch zu Ohren gekommen, dass nach der Anzahl der zum Einsatz gekommenen Lampen, abgerechnet wurde. Wie ernst das zu nehmen ist, weiß ich nicht. Quatsch wäre es auf jeden Fall, denn mehr Lampen bedeutet im Umkehrschluss sicher nicht auch bessere Fotos.

 

Bei mir, wie auch bei den meisten anderen Kollegen ist es die Zeit. Nehmen wir z.B. mal den Reifen von oben. Reifen kleinAuf den ersten Blick nichts Spektakuläres. Ein Autoreifen mit Felge (nicht mal Alu) in einer weißen Hohlkehle. Nun muss ich allerdings in meiner Ausbildung an dem Tag gefehlt haben als es um Autoreifen ging.

 

Also habe ich für meinen ersten Autoreifen geschlagene 2 Tage gebraucht. 2 Tage a´1.000€, das kann man allerdings von den wenigsten Kunden verlangen.

 

Hab ich auch nicht, sondern das fiel alles unter"Jugend forscht"! Allem voran die Frage, wie kriegt man die produktionsbedingten schwarzen "Würmer" von der Lauffläche runter. Danach die Frage, wie man die bunten Streifen, die jeder frisch vom Band gelaufenen Reifen hat, abgedeckt bekommt. Und zum Schluss die Frage nach dem Licht. Wie bekomme ich dieses Gummi so hin, dass es nicht mein ganzes Licht frisst und trotzdem noch nach Gummi und nicht nach Hartplastik aussieht.

 

 

Heute präpariere ich so einen Reifen in einer Stunde. Der Lichtaufbau, die Brennweite, die Generator- und Belichtungswerte sind dokumentiert und so braucht es gerade nochmal 15 Minuten und das Ding ist im Kasten. Aber ohne diese Stunde Vorbereitung und die Erfahrung aus 2 Tagen Forschung könnte ich selbst so was Simples dem Kunden nicht guten Gewissens verkaufen.

 

 

 

Kaffee 2Kaffee 1Schneller geht sowas bei einer Tüte Kaffeebohnen. Allerdings muss ich hier bei meiner Ausbildung gefehlt haben, als Kaffeebohnen in Tüte dran waren. So eine Tüte ist schnell präpariert. Und die 5 Minuten, die man sich dafür die Zeit nimmt, machen den Unterschied.

 

Wer hier schlampt oder einfach nicht die Zeit hat, die nötig ist, der hat schon verloren. Denn wie im richtgen Leben, so heißt es auch hier:

You never get a secound chance to make the first impression!

 

 

 

 

Wer seine Produkte schlampig präsentiert, dem klebt auch gleich der Makel an, dass der ganze Laden schlampig geführt ist und es hier in allen Bereichen mit der Qualität nicht so genau genommen wird.

 

 

 

Glasscherben 1Nehmen wir mal ein anderes Beispiel. An diesen Glasperlen ist nicht viel zu präparieren. Kurz mit dem Tuch von Fingerabdrücken und Staub befreit.

 

Nun habe ich in meiner Ausbildung (man denkt es sich fast schon) gefehlt, als Glasperlen dran waren. Allerdings muss ich wohl aber da gewesen sein, als es generell um das Fotografieren von Glas ging.

 

 

 

 

 

Perlen 2Hier geht es also mehr darum, sich mit dem Licht auf ein elementares Produktmerkmal, nämlich seine Transparenz, einzustellen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Zu guter Letzt ein Klassiker

Welcher angehende Fotograf hat nicht schon mal versucht seinen Fotoapparat zu fotografieren (vorausgesetzt er hat zwei davon). Und man soll es nicht glauben, aber an dem Tag, als in meiner Aussbildung das Fotografieren von Fotoapparaten dran war, war ich tatsächlich da. Was wohl auch daran lag, dass es eines der Themen zur Abschlussprüfung war.

 

Allerdings war es nicht diese, sondern eine alte Leica. Und ich durfte 1987 dazu auch keine Digitalkamera benutzen, sondern musste die Aufgabe mit einer Plaubel auf 6x9cm s/w Rollfilm lösen.

 

Kamera 1

Kamera 2Auch bei diesem Beispiel geht es darum, das Produkt zu "lesen", vom drei- ins zweidimensionale umzusetzen und dabei möglichst viele Informationen zu erhalten oder noch zu betonen.

Also eine Sache der richtigen Ansicht, der richtigen Brennweite und des richtigen Lichts.

 

 

Das kostet Zeit

Irgendwie ist es mir bei den Beispielen nicht so recht gelungen, die Negativ-Version so grottig hin zu bekommen, wie man es oft sieht. Grundsätzlich möchte ich hier nur zeigen, dass einen guten Produktfotografen mehr ausmacht als das Equipment, was ihm zur Verfügung steht.

 

Es ist einfach sein Job, sich die Zeit zu nehmen, die es braucht ein Produkt verkaufsfördernd in Szene und ins Licht zu setzen. Und da er es gelernt hat, braucht er bei besseren Ergebnissen auch noch weniger Zeit als der, der es selbst macht.

 

Also doch besser bleiben lassen? Oder gleich die teuere Zeit des Profis in Anspruch nehmen? Nein, ich bin überzeugt, dass derjenige der bereit ist, einiges von diesen Tutorials in seine Aufnahmen einfließen zu lassen, durchaus in der Lage ist, seine Produkte selbst zu fotografieren. Ihm muss nur eines klar sein: Das kostet Zeit!

 

Und für alle, die nicht bereit sind, ihre wertvolle Zeit auch noch da rein zu investieren, gibt es ja immer noch uns Produktfotografen.

 

Damit ist aber auch klar, dass ein Produktfotograf, der einfache Packshots bereits für 9,99€ anbietet, sich weniger Zeit für seine Augabe nehmen kann, als der, bei dem 7 Minuten 15,00€ kosten. Gäbe es da keine Unterschiede, dann würde auch ich die vielen Packshots für meine Kunden einfach vom 9,99€-Kollegen machen lassen, meine 50% aufschlagen und in der gewonnen Zeit mit meinem Sohn Fussball spielen.

 


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