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Ein ganz normaler Tag...
... im Leben dieses Tutorials. Zig Leute schauen vorbei. Manche auch mehrfach. Der eine bleibt stundenlang, der andere saugt 20 Seiten in 2 Minuten. Der eine oder andere nimmt an der Abstimmung teil oder hinterlässt eine Anregung oder Kritik, aber die Mehrheit schweigt und genießt.
Immer häufiger aber klingelt es in der Mailbox. So auch damals, im Frühling. Peter hieß er, wollte wissen wie er hochwertige Seifen hochwertig fotografieren kann. Ein paar Beispiele, wie er sich die Aufnahmen vorstellt, hingen an.
Ganz schön frustig, gerade für mich, der ich stundenlang an diesem Tutorial geschrieben hatte und nun doch einsehen musste, dass dem Manne so nicht geholfen werden kann. Klar. derjenige, der die Zeit und die Affinität zur Fotografie hat, kann sich mit dem Basiswissen des Tutorials und einer gewissen Liebe zur Fotografie auch komplexeren Themen widmen, als "einfach" nur ein Stück Seife zu fotografieren. Aber diese Moodshots, wie Peter sie im Kopf hatte, dekoriert, gestaltet, bis DinA3 druckbar und davon bitte 30 bis in ca. 6 Wochen...
...nein, das leistet das Tutorial nicht. Das geht auch nicht in einem persönlichen Tutorial, auch nicht im persönlichen Workshop. Warum nicht? Peter hat dazu keine Zeit! Er kann nicht stundenlang rumrennen, um Deko zu besorgen. Er hat auch gar nicht das Equipment, um schrägstehende Seifen im Close-Up bei offener Blende noch scharf abbilden zu können, um sie auf DinA3 printen lassen zu können. Peter hat auch nicht das Licht, um die gewünschte Lichstimmung erzeugen zu können. Aber selbst, wenn ihm das alles zur Verfügung stünden, ihm fehlt das Know-How, ihm fehlt die Erfahrung. Er will Seifen verkaufen und kein Soapstar-Fotograf werden.
Also macht er das einzig Richtige, er kauft Know-How und Erfahrung. Und warum auch immer, er zögert nicht lang. Den ein oder anderen Preisvergleich wird er sicher eingeholt haben, aber Tage später hatte ich eine große wohlriechende Kiste in der Post und nahezu alle Freiheiten, daraus stimmungsvolle Aufnahmen in DinA4 hoch oder DinA3 quer zu machen. Bei 30 Moodshots gibt es naturgemäß Highlight und Mitläufer, aber alles in allem ist daraus eine wirklich plakative Serie entstanden.
Peter war zufrieden und die Produktaufnahmen der Einzelseifen für den Katalog und den Webshop, die würde er dann nach und nach selbst hinbekommen.
Spätherbst. Peter ruft an: "Wir brauchen unbedingt 40 Packshots unserer Seifen für den Webshop und Amazon. Natürlich später auch für Print. Amazon hat einen Teil der Aufnahmen, die wir eingereicht haben, abgelehnt. Muss schnell gehen!"
Nun, ich bin ein neugieriger Mensch und wollte wissen, warum Peters so schlecht sind, dass selbst Amazon sie nicht haben will. Also mal schnell bei Amazon nach Seifen geschaut und anschließend mal zu Peter in den Shop.
Okay Peter, das ist echt nicht so dolle, aber verglichen mit vielem, was ich bei Amazon oder an anderen Stellen im Web bereits gesehen habe, auch nicht soooo schlecht.
40 Packshots ähnlicher Arikel als Freisteller zu schießen ist nun wirklich der Klassiker, auf den wahrscheinlich jeder Online-Seller irgendwann mal trifft. Eigentlich genau der Job für den Do-It-Yourselfler, der aufmerksam dieses Tutorial gelesen hat. Und der, der weder Zeit noch Lust hat, es selbst zu machen, sucht nach günstigen Alternativen.

Ich habe mich schon an anderer Stelle darüber ausgelassen, wie es möglich ist, so eine Serie für unter 10,00€/Aufnahme anzubieten bzw. herzustellen. Mein Verdacht geht da immer noch in Richtung Lichtzelt und Standartlicht. Um das mal genauer zu erkunden, habe ich tatsächlich auch mal ein Lichtzelt bzw. Cube aufgebaut und ein Standartlicht gemacht.
Wahrscheinlich hätte Peter sich gefreut, 40 Aufnahmen ähnlicher Qualität zu erhalten. Mir war, trotz aller Mühe, die ich mir auch in diesem Set gegeben habe, klar, das geht mit wenig mehr Aufwand noch deutlich besser.
Bei genauer Betrachtung ließen sich die 40 Seifen in drei Kategorien einteilen, die alle ein eigenes Licht bräuchten.
- Transparente Seifen = Durchlicht
- Transparent + Nichttransparent = Durchlicht + Auflicht
- Nichttransparent = Auflicht

Und da alle Seifen eine Prägung haben, sollte das Auflicht möglicht ein Streiflicht sein, dem dann wieder ein Aufheller entgegensteht. Bei dem Lichtset, dass ich dazu aufgebaut hatte mussten also Durch- und Auflicht seperat regelbar sein. Zum Einsatz kamen:
- Eine Lichtbox, vor der die Seifen auf einer Glasscheibe aufgebaut wurden als Durchlicht an einem 1000W/s-Generator
- Ein Stufenlinsenspot, der die transparenten Bereiche zusätzlich zum "Glühen" bringt an einem 2000W/s-Generator
- Eine Parabollampe für´s streifige Auflicht an einem 1000W/s-Generator
- Eine Softbox zur Aufhellung des Steiflichts an einem 1000W/s-Generator
Ich habe in diesem Tutorial sicher auch schon an anderer Stelle durchblicken lassen, dass ich kein Freund des Lichtzelts bin. Und auch an diesem Beispiel sieht man, dass es, um die Arbeit zu vereinfachen, eigentlich nur zum Hellmachen taugt. Auf mich machen solche Aufnahmen immer den Eindruck, als seien sie irgendwie belegt.
Mit Geschick und Know-How kann man sicher aber auch im Lichtzelt durch gezieltes Abhalten von Licht "knackigere" Ergebnisse erzielen. Allerdings hat es dadurch seinen eigentlichen Vorteil verspielt, die Arbeit schnell und günstig zu erledigen. Denn so ist man auch schnell bei einer individuellen Lichtführung und kann spätestens dann auf das Lichtzelt ganz verzichten.
Was den Laien vielleicht wundert und selbst den Fachmann amüsieren dürfte, sind die putzigen Orangina-Flaschen. Aber wie schon unter kleine Helfer beschrieben, ist Studiofotografie Improvisation. Die Dinger hatten nunmal gerade die benötigte Höhe und es gab 4 davon. Hätte ich die Glasplatte auf die doppelte höhe bringen müssen, dann hätte ich wahrscheinlich Bierflaschen genommen.
Neben den Orangina-Flaschen gilt mein besonderer Dank Holger Malzkorn und Peter Pesch, die mit ihren INZOOE-Seifen mit großem Aufwand ein witziges und trendiges Produkt auf dem europäischen Markt einführen.



